Unsere Leistungen

Therapie gynäkologischer Dysplasien

Der wichtigste Aspekt in der Therapie gynäkologischer Dysplasien ist eine sorgfältige Abklärung bevor eine Behandlung begonnen wird. Früher wurde oftmals direkt aufgrund des vorliegenden Krebsabstriches (PAP III, PAP IIID, PAP IV) eine operative Behandlung durchgeführt. Dies hat zu einer relativ hohen Zahl an unnötigen Operationen (Übertherapie) aber auch falsch behandelten Fällen von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom; Untertherapie) geführt. Da insbesondere die wiederholte Durchführung einer operativen Behandlung des Gebärmutterhalses (Konisation) zu einem erhöhten Frühgeburtsrisiko führen kann, sollte die Operation nicht voreilig durchgeführt werden, sondern nur wenn es notwendig ist.

Daher erfolgt im Dysplasie Kompetenzzentrum immer eine sorgfältige weiterführende Abklärung, um eine individuell angepasste Behandlung zu ermöglichen. Hierbei spielen das Alter der Frau, der vorliegende HPV Typ, der Scherwegrad der Veränderung, die Lage der Veränderung und das Vorliegen eines Kinderwunsches eine entscheidende Rolle. In Zusammenschau dieser Befunde wird in einem Beratungsgespräch ein persönlicher Behandlungsplan erstellt.

Bei weiterer Abklärung eines auffälligen Krebsabstriches finden sich typischerweise gutartige Veränderungen, sog. Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses (zervikale Dysplasien). Diese werden in drei Schweregrade eingeteilt (CIN1-3) und je nach Schweregrad und den weiteren Risikofaktoren entweder beobachtet oder behandelt.

Niedriggradige Dysplasien (CIN1) des Gebärmutterhalses werden meistens durch eine Infektion mit Niedrig-Risiko HPV Typen (HPV 6,11) verursacht. Die Mehrheit der CIN1 können sich spontan – ohne Therapie – zurückbilden. Nach entsprechender Abklärung kann daher meistens von einer sofortigen Therapie abgesehen und eine Beobachtung der Dysplasie mit speziellen klinischen Kontrollen durchgeführt werden.

Bei einer mittelgradigen Dysplasie (CIN2) hängt der weitere Behandlungsplan entscheidend von den weiteren Risikofaktoren ab. Bei niedriger Risikokonstellation können auch diese Veränderungen mit speziellen Kontrollen beobachtet werden, da auch bei der CIN2 eine spontane Rückbildung möglich ist. Bei hoher Risikokonstellation sollte eine Behandlung erfolgen.

Hochgradige Dysplasien (CIN3) werden in den meisten Fällen durch eine Infektion mit Hoch-Risiko HPV Typen (z.B. HPV 16,18) verursacht und bedürfen üblicherweise einer Therapie.

Derzeit gilt die operative Behandlung (Konisation) der zervikalen Dysplasien als Standardtherapie.

Hier wird ein kegelförmiger Teil (Konus) des betroffenen Gewebes des Gebärmutterhalses entfernt. Bei dieser Operation wird mittels einer elektrischen Schlinge unter Sicht ein möglichst kleines Gewebestück reseziert (Schlingenkonisation). Der Eingriff, wird üblicherweise in Vollnarkose oder in Regionalbetäubung durchgeführt. Bei der Konisation handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff, der als sehr sicher gilt und in Österreich mehrere tausende Male jährlich durchgeführt wird. Häufig werden nach der Operation leichte vaginale Blutungen beobachtet, die üblicherweise schwächer als eine normale Menstruationsblutung sind. Eine mögliche Langzeitkomplikation stellt ein leicht erhöhtes Frühgeburtsrisiko dar. Dieses kann insbesondere durch sehr tiefe Konisationen, eine falsche Operationstechnik oder wiederholte Konisationen entstehen. Um dieses potentielle Frühgeburtsrisiko zu minimieren, werden am Dysplasie Kompetenzzentrum folgende Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt:

1.     Eine Konisation wird nur dann empfohlen bzw. durchgeführt, wenn es medizinisch notwendig ist

2.     Es wird die gewebeschonendste Operationstechnik angewandt (Schlingenkonisation)

3.     Durch die sorgfältige präoperative Abklärung, erfolgt die Entfernung des betroffenen Gewebes gezielt und es kann möglichst viel gesundes Gewebe des Gebärmutterhalses erhalten werden

In ausgewählten Fällen kann eine alternative Behandlung mittels medikamentöser Therapie notwendig bzw. möglich sein. Dies kann z.B. mit dem Medikament Aldara® 5% (Wirkstoff: Imiquimod) erfolgen. Die Wirkung dieses Medikaments bei Dysplasien wurde von unserem Team in drei klinischen Studien am Allgemeinen Krankenhaus Wien untersucht, wodurch wir auf diesem Gebiet eine internationale Vorreiterrolle vorzuweisen haben.

Wie im Bereich des Gebärmutterhalses können Dysplasien auch im Bereich der äußeren weiblichen Genitalorganen, den Schamlippen, und der Vagina auftreten. Die Therapie richtet sich in diesen Bereichen ebenso nach dem Alter der Frau, eventuell vorhandenem Kinderwunsch, dem Schweregrad und der Größenausdehnung der Veränderung.